Repressionswelle in Belarus

Am 3. September 2010 begann eine umfangreiche Repressionswelle des belarussischen Staatsapparates gegen Aktivist/innen aus dem undogmatischen, anarchistischen und ökologischen Spektrum in Minsk, die sich später auch auf andere Städte ausweitete und immer noch im Gange ist. Getroffen hatte es zuerst 7 junge Personen, unter anderem einen der Aktivisten, der an der internationalen Klimakarawane im Dezember 2009 teilnahm. Sie wurden ohne Angabe von Gründen länger als die gesetzlich festgelegten 3 Tage eingesperrt. Über ihr Verbleiben erteilten die Behörden tagelang keine Auskünfte. Später wurden ihnen diverse und wechselnde Geschichten vorgeworfen, so dass diese willkürlichen Handlungen des Staates völlig unklare Perspektiven lassen, worum es eigentlich geht. Vermutet werden kann ein Zusammenhang mit den anstehenden Wahlen im Dezember, aber sicher geht es vor allem um Einschüchterung politisch unliebsamer Aktivist/innen im Land. Dies zeigt sich auch im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Atomkraftwerkes und dem sonstigen Verhalten der Regierung gegenüber Kritik.

Einige der am 3.September verschleppten sitzen seitdem noch immer im zentralen Gefängnis von Minsk. Andere wurden wiederholt freigelassen und wieder verhaftet oder verschleppt. Es wurde von Schlägen bei den Verhören berichtet. Das Helsinki Komitee leitet bereits Beschwerden ein. Immer wieder neue Personen wurden und werden zu „Gesprächen“ mit der Polizei geladen und kamen einfach nicht wieder. So geschah es einem weiteren Teilnehmer der Klimakarawane und Aktivisten aus Belarus, der am 25. September vom Gesprächstermin mit der Polizei nicht wieder nach Hause kam. Auf telefonische Nachfragen seiner Angehörigen wurde nur knapp geantwortet, es ginge um „Hooliganismus“. Die Haftzeit wurde verlängert, so dass er nun mindestens eine Woche sitzen wird. Ein Ende dieser Schikanen und Gewalt gegen außerparlamentarische Aktivist/innen ist nicht in Sicht, daher ist Solidarität und Öffentlichkeit wichtig! Schluss mit staatlichen Einschüchterungsversuchen gegen außerparlamentarische Aktivist/innen!

Weitere Informationen:
http://www.twitter.com/minsksolidarity
http://belarus.indymedia.org/blog/minsksolidarity/
http://www.bellona.org/articles/articles_2010/belarus_activist_roundup

Kontakt zu Freund/innen und Verwandten der Verhafteten:
minsksolidarity[at]riseup.net

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Text auf Englisch:

Stop the states attempt for intimidation of extraparliamentary activists!

At the 3rd of september an extensive wave of repression by the belarussian state against activists from the undogmatic, anarchist and ecological background in minsk, which was widened later to other cities and is still going on. First 7 young people were facing it, one of them was participant in the climate caravan in december 2009. All of them had been arrested for more than the regularized 3 days and officials did not give information about their place of detention for days. Later they were accused for variouse and changing stories, so it is an unclear perspective what it is all about, as the disposal of state is obvious. The context of elections in belarus in december are probable, but in general it is for shure that political unwanted activism should be intimidated in the country. This is visible as well in the context of the new constructed power plant and general behaviour of government towards critics.

Some of the displaced persons from the 3rd of september are still in the central prison of minsk, some were released and imprisoned again. Beatings were reported at the polices interrogations, the Helsinki Commitee started allready official complainings. Again and again people were requested to „conversations“ with police and just dissappeared for some days. So it happened to the second activist from belarus, who took part in the climatecaravan at the 25th of september. After the meeting with police he did not came home. After calling police and relatives asking for him, it was short answered he is suspected of „hooliganism“. The arrest was right now prolonged for 3 days, so that he is going to stay arrested for at least 6 days. An end of bullying and violence against extraparliamentary activists is not to see in current situation. Solidarity and publicity is necessary!
Stop the states attempt for intimidation of extraparliamentary activists!

More information about the case:
http://www.twitter.com/minsksolidarity
http://belarus.indymedia.org/blog/minsksolidarity/
http://www.bellona.org/articles/articles_2010/belarus_activist_roundup

Contact to friends and relatives of the arrested:
minsksolidarity[at]riseup.net