Globaler Klimawandel
Eines dürfte inzwischen allen klar geworden sein: der Klimawandel ist kein medial inszeniertes Horrorszenario, sondern Fakt. Einige Beispiele dafür: im Jahr 2004 mussten bei Überschwemmungen in Bangladesh ca. 30 Millionen Menschen ihre Häuser zeitweise verlassen. Umgekehrt hat sich in der Sahelzone zwischen 1968 und 1997 die Niederschlagsmenge um rund ein Drittel verringert. Noch krasser sind die Verwerfungen, welche mit der bereits heute als unvermeidbar geltenden Erderwärmung um mindestens zwei Grad einhergehen dürften: So müssen, um nur drei Beispiele zu nennen, in den nächsten Jahrzehnten 500 Millionen Menschen zusätzlich hungern (und somit 1,4 Milliarden insgesamt), die Zahl der Malariakranken wird um 14 Prozent steigen (plus 63 Millionen) und 15-40 Prozent aller Pflanzen- und Tierarten werden aussterben, mit kaum absehbaren Folgen für die weltweite Ernährungssicherheit.

Praktische Schritte werden verhindert
Mit anderen Worten: Praktische Schritte sind absolut notwendig und dringend geboten, schlicht deshalb, weil der bereits begonnene Klimawandel mit einer massiven Zuspitzung der ohnehin desaströsen Verhältnisse einhergehen wird – insbesondere im Süden des Globus. Zentrales Manko: Sowohl die ökonomischen Eliten als auch die Regierungen der reichen Industrieländer verhindern bis heute jede ernsthafte Maßnahme zur Abwehr des Klimawandels. „Kopenhagen ist gescheitert“ hieß es nach dem Post-Kyoto-Klimagipfel im Dezember 2009. Was nichts weiter bedeutet, als dass die Welt offenbar nicht – wie zuvor von den Regierungen versprochen – auf diesem „gerettet“ wurde. Denn wenn in Kopenhagen als einziges „Ergebnis“ die dort vertretenen Regierungen das Ziel einer „maximalen Erhöhung der Erdtemperatur um 2° C zur Kenntnis“ nehmen, ohne entsprechende verbindliche Vereinbarungen für die hierfür notwendigen Emissionsreduktionen zu treffen, heißt dies im Klartext, dass mensch sich auch dieses unzureichende Ziel faktisch abgeschminkt hat. Aber dieses Scheitern war für viele Regierungen, so z. B. die deutsche, durchaus ein Erfolg insofern, als dass die befürchteten „einseitigen Belastungen der Industrie in Europa“ abgewendet werden konnten, ohne auf der Kehrseite negative Konsequenzen aus dem „Imageschaden“ befürchten zu müssen.

Klimawandel und Kapitalismus
Nichtsdestotrotz wird bis heute in immer neuen Werbefeldzügen die Behauptung in die Welt gesetzt, Klimaschutz und kapitalistischeWachstumslogik seien versöhnbar – „Green New Deal“ heißt das allerorten herumgereichte Zauberwort. Einerseits ist beabsichtigt, den Ausstoß an Treibhausgasen durch „grüne Technologien“ zu reduzieren, etwa durch ressourcenschonende Fertigungsverfahren oder erneuerbare Energien. Andererseits soll der inzwischen schon etablierte, gewinnträchtige Handel mit CO2-Emmissionszertifikaten drastisch ausgebaut werden, und das, obwohl es bislang nicht gelungen ist, über diese Schiene das Level an Treibhausgasen überhaupt zu senken.

Gegen globale Ungleichheit und Ausbeutung
So wichtig etliche dieser bisherigen und der geplanten Maßnahmen zur Verringerung von CO2-Emissionen sein mögen (verwiesen sei nur auf das enorme Potential der Windkraft), als Gesamtpaket greifen sie in jedweder Hinsicht zu kurz, sind also ungeeignet, der tatsächlichen Wucht des Klimawandels ernsthaft Paroli zu bieten. Und das um so mehr, als Fragen globaler Gerechtigkeit noch nicht einmal ansatzweise berührt werden: Während in Kanada 19,6 Tonnen und in Deutschland knapp 10 Tonnen CO2 pro Jahr und Kopf verbraucht werden, entfallen auf China 3,8 Tonnen, auf Brasilien 1,8 Tonnen und auf Tansania 0,1 Tonnen. Das gigantische CO2-Gefälle zwischen globalem Norden und globalem Süden ist kein Zufall. Es ist Kehrseite jener Ausbeutungs- und Ungleichheitsverhältnisse, welche dafür verantwortlich sind, dass sich die Menschen in der Peripherie – das heißt in den arm bzw. abhängig gehaltenen Teilen des Globus – ungleich schlechter gegen den Klimawandel wappnen können, als das in Westeuropa oder Nordamerika der Fall ist. Hieraus folgt aber auch: Klimaschutz sollte nicht zum moralisch aufgeladenen Wohlfühlprogramm konsumkritischer Mittel- und Oberschichten zusammenschnurren – so wie das insbesondere im Nachhaltigkeitsdiskurs häufig geschieht. Nein, angesagt ist Fundamentaleres: Auf der einen Seite muss die kapitalistische Wachstumsmaschinerie als Ganzes in Frage gestellt werden – was bereits an dem einfachen Umstand erkennbar wird, dass unter Klimagesichtspunkten – global betrachtet – gerade mal zwei Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr und Mensch tolerabel sind. Auf der anderen Seite führt kein Weg an einer grundlegenden Neuverteilung des weltweiten Reichtums vorbei, was umgekehrt mit der Notwendigkeit einhergeht, Dinge wie ‚Wohlstand‘, ‚Luxus‘ oder ‚Bedürfnisbefriedigung‘ vollkommen neu zu betrachten und zu diskutieren.

Aktionen gegen den Klimawandel in Bremen
Und was bedeutet das praktisch? Treibhausgase entstehen an ganz verschiedenen Orten, so wie auch die ökologischen und sozialen Folgen des Klimawandels äußerst unterschiedlich ausfallen. Das „Klimaplenum Bremen“ will deshalb die Auseinandersetzungen um den Klimawandel konkretisieren, nicht zuletzt auf lokaler Ebene – am Beispiel „unserer“ Stadt bzw. Region. So haben wir im letzten Jahr (2009) im Mai und im November zwei Umsonstfahrtage in Bremen organisiert, um zu verdeutlichen: Die
Alternative zu immer mehr Autoverkehr heißt öffentlicher Verkehr sowohl im Nahbereich als auch im Fernverkehr. Und zwar öffentlicher Verkehr, den sich alle leisten können. Denn Mobilität ist für uns nicht nur Zwang, sondern auch ein Grundrecht, das ausnahmslos allen Menschen zusteht. Bisher ist wenig bis gar nichts in dieser Richtung passiert. Da den politisch Verantwortlichen im Zeichen der „Krise“ nichts anderes einfällt, als weiter die Autoindustrie zu päppeln, war und ist es an der Zeit, eigene Akzente zu setzen. Jede/r kann etwas gegen den Klimawandel unternehmen. Dabei wird es nicht ausreichen, nur den eigenen Lebensstil zu optimieren. Wenn wir nicht gleichzeitig versuchen, den unmittelbar Verantwortlichen, den Nutznießern und Profiteuren des „Weiter so“, das Heft aus der Hand zu nehmen, werden individuelle Handlungsmöglichkeiten äußerst beschränkt bleiben.

Flugverkehr (nicht nur) in Bremen – Beschleunigung des Klimawandels
Und nun wollen wir uns im heißen Sommer 2010 einer weiteren Blüte der herrschenden Verkehrspolitik zuwenden, für die wir ebenfalls hier in Bremen ein ganz praktisches Bespiel finden: den Flugverkehr. Dem Flugverkehr kommt im Rahmen der gegenwärtigen Verkehrspolitik eine bedeutende Rolle zu – diese hat er aber auch mindestens im gleichen Maße im Hinblick auf seine Auswirkungen auf die Beschleunigung des Klimawandels.

Flugverkehr wächst global
Der weltweit boomende Flugverkehr schadet dem Klima erheblich und führt zu einer wesentlichen Beschleunigung des Klimawandels. Die aus dem Flugverkehr resultierenden Kohlendioxid- Emissionen haben allein in der Europäischen Union in den letzten 15 Jahren um fast 70 Prozent zugenommen, ein weiterer Anstieg wird prognostiziert. Großen Anteil an diesem Zuwachs haben die sogenannten Billigflieger. Wenn sich der weltweite Trend zum Fliegen fortsetzt, wird das die eh schon unzureichenden Klimaschutzanstrengungen und deren überschaubare Effekte in anderen Bereichen vollständig zunichte machen. Warum aber ist der Flugverkehr nun besonders schädlich?

Flugverkehr – extrem klimaschädlich
Beim Verbrennen von Kerosin (Flugbenzin) entstehen klimaschädliche Abgase. Sie bestehen überwiegend aus Wasserdampf, Kohlendioxid und Stickoxiden. Die Auswirkungen dieser Stoffe sind in luftiger Höhe rund dreimal größer als am Boden und vergrößern so den globalen Treibhauseffekt entsprechend. Bis zu 100 Jahre bleiben die Schadstoffe in der Atmosphäre und bewirken Umweltschäden, die niemand mehr ungeschehen machen kann. Die von Flugzeugen erzeugten Kondensstreifen und Schleierwolken verstärken das Aufheizen unserer Atmosphäre zusätzlich, weil sie die Rückstrahlung der Wärme vom Erdboden in den Weltraum vermindern.

Von Bremen in die weite Welt …
Wie klimaschädlich der Flugverkehr ist, wird anhand eines Beispiels deutlich: Bei einem Flug von Bremen nach Bangkok entstehen pro Passagier rund 3,2 Tonnen CO2 – nur für den Hinflug; inklusive Rückflug entstehen also nahezu 6,5 Tonnen CO2. Zum Vergleich: Um die Klimaerwärmung in verträglichen Maßen zu halten, dürfte jeder Mensch weltweit im Schnitt nur zwei Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen. Wer einmal nach Thailand und zurück fliegt, hat sein klimaverträgliches Jahresbudget somit schon dreifach überschritten – ohne etwas gegessen oder gar im Winter die Wohnung geheizt zu haben. Erreicht wird das klimaverträgliche Jahresbudget auch bereits fast schon bei einem Hin-
und Rückflug nach Las Palmas mit 1,86 Tonnen CO2. Die Attraktivität von Reisen mit dem Flugzeug hat ihre Ursache nicht zuletzt in den Schleuderpreisen der Billigflieger.

Flughafen Bremen dichtmachen – shut down airport bremen!

Wir meinen, dass wir auch hier in Bremen etwas zur Verbesserung der globalen Situation und zur Verlangsamung des Klimawandels beitragen können, indem wir zu einer kleinen , aber feinen Reduktion des globalen Flugverkehrs beitragen: den Flughafen Bremen dicht machen – shut down airport bremen!

Wie passt das zusammen?
Auf der einen Seite unsere Forderungen nach einem kostenlosen öffentlichen Personennah- und -fernverkehr sowie
nach dem Recht auf globale Bewegungsfreiheit und auf der anderen Seite unsere Forderung nach einer vollständigen Reduktion des Flugverkehrs?

* Das Recht auf globale Bewegungsfreiheit ist nicht auf Flugzeuge angewiesen!
Wir wollen ein Recht auf globale Bewegungsfreiheit für alle Menschen weltweit – aber kein Recht auf Fliegen. Die das Recht auf globale Bewegungsfreiheit einschränkenden Faktoren sind mitnichten mangelnde Kapazitäten der Fluggesellschaften, sondern die rassistischen Gesetze und Grenzregime.
* Es gibt kein Recht auf Urlaubs-Konsum per Flugzeug!
Das Recht auf Leben (anderer) ist durch den Flugverkehr und seine globalen (Klima-) Folgen eingeschränkt und bedroht (die Mehrheit der Menschheit lebt an der Küste!).
* Fliegen ist nur so billig, weil die Allgemeinheit die Kosten aufgebürdet bekommt.
Steuerfreies Flugbenzin, Subventionen für Flugzeugbauer, ökologische Folgekosten, Subventionen für Flughäfen
* Das Recht auf Mobilität enthält keine Geschwindigkeitsangabe!
Es ist allen Menschen zu zu muten, ihre FreundInnen, GenossInnen, Verwandten, GeschäftspartnerInnen und ihre Sehnsuchtsorte mit langsameren Verkehrsmitteln als dem Flugzeug auf zu suchen.
* Wir plädieren für eine allgemeine Entschleunigung zur Steigerung der Lebensqualität – der Zwang zur Hochgeschwindigkeits-Mobilität muss gebrochen werden!
* Wir brauchen gesellschaftliche Verhältnisse, in denen nicht ständig der Zwang produziert wird, innerhalb von Stunden durch die Welt zu jetten.

Klimaplenum Bremen

Kundgebung und Aktion am Bremer Flughafen (StraBa-Haltestelle „Flughafen“)
Samstag, 21.08.2010, 11.00 Uhr