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Aufruf – Connecting Movements Camp 18.-29.8.17

Aufruf – Connecting Movements Camp 18.-29.8.17

1. Connecting Movements Camp 2017 im Rheinland

Vom 18. bis 29. August bringt das Connecting Movements (CoMo) Camp im Rheinland Menschen verschiedener sozialer Kämpfe und Bewegungen zusammen, um neue Perspektiven emanzipatorischer Politik zu entwickeln. Oft kämpfen wir mit unterschiedlichen Schwerpunkten – Klimagerechtigkeit, Bewegungsfreiheit und Bleiberecht, Queerfeminismus oder Ernähungssouveränität – an unterschiedlichen Orten und es bleibt wenig Zeit für Austausch.

Doch je verschiedener unsere Hintergründe, desto mehr können wir voneinander lernen! Wir wollen über Fragen, Utopien und Strategien verschiedener Kämpfe und Spektren diskutieren. Das CoMo-Camp eröffnet einen Raum für Vernetzung und Reflexion um uns für gemeinsame Aktionen zu bestärken und ein Weiterkommen sozialer Bewegungen zu ermöglichen!

2. Open Spaces

Wir wollen auf dem CoMo-Camp vor allem in Open Space-Formaten arbeiten, um möglichst hierarchiefreien Austausch jenseits von Expert*innenrollen zu ermöglichen.

Diskussionsthemen oder Workshops können von allen vorgeschlagen und selbstorganisiert durchgeführt werden. In der Tagesstruktur sind zwei Open-Space-Zeiten vorgesehen und unter freiem Himmel und in Workshopzelten gibt es Raum für eure Angebote.

Daneben gibt es ein Infozelt, ein Teezelt, eine Küche, sanitäre Strukturen und Rückzugsräume. Das Politische soll nicht nur in Form von Theorien, Fakten oder Aktionen gesehen werden, sondern ebenso beim gemütlichen Zusammensitzen, Kunst, Kultur und gemeinsamer Care-Arbeit. Anregungen zu Themen und Angeboten – von Workshops, Vorträgen, Vernetzungstreffen über Kino, Konzerte und Theater – könnt ihr uns auch im voraus mitteilen: mailto:connecting-movements-camp@riseup.net

3. Warum das Ganze?

Die Herrschaftssysteme und Unterdrückungsmechanismen, die zu menschenenverachtender Abschiebepolitik, sexistischen Übergriffen gegenüber Frauen* oder Marginalisierung von Kleinbäuer*innen führen, sind stark miteinander verwoben. Der Klimawandel ist nicht zu stoppen mit einer patriarchalen, kapitalistischen, rassistischen Gesellschaftsform, die auf Ausbeutung, Konkurrenzzwang und Unterdrückung von Menschen beruht.

Es braucht Alternativen eines Zusammenlebens auf Basis von Freiheit, Selbstbestimmung, Ernährungssouveränität und Solidarität. Diese können wir am besten gemeinsam entwickeln!

Es gilt, auch unsere eigene Arbeit kritisch zu betrachten. Kapitalistische Werte, patriarchale Normen und ansozialisierten Rollen sitzen teilweise sehr tief – wie stark reproduzieren wir all dies in unserem Alltag und unserer politischen Praxis? Wir wollen nicht immer nur von Solidarität reden, sondern versuchen sie praktisch werden zu lassen und gemeinsam einen möglichst barrierearmen Ort gestalten. Dafür brauchen wir uns alle!

4. Warum im Rheinland?

Das Connecting-Movements-Camp wird neben und in Zusammenarbeit mit dem Klimacamp im Rheinland organisiert. Im größten Braunkohlerevier Deutschlands werden täglich tausende Tonnen CO 2 ausgestoßen, Dörfer abgebaggert und die Kohlearbeiter*innen einer ungewissen Zukunft überlassen. Mit den Klimacamps wächst jedoch seit Jahren der Widerstand! Soziale und ökologische Fragen werden zusammen gedacht und dem kapitalistischen System Alternativen entgegengesetzt. 2015/16 wurden in thematischen Barrios bereits Themen um Antirassismus, Queerfeminismus und Landwirtschaft diskutiert.

Hier möchten wir anknüpfen. Wir möchten im Rheinland über mehr als nur Klima reden, weitere emanzipatorische Bewegungen an diesen symbolischen Ort einladen und solidarisch kämpfen, leben, lernen!

5. Kurzinfos

Connecting Movements Camp: 18.-29. August 2017 18. – 23. August: Bildung und Vernetzung 24. – 29. August: Aktionstage im Rheinland

Der genaue Ort des CoMo- und Klimacamps wird kurz vor dem Camp auf der Homepage bekannt gegeben.

http://www.klimacamp-im-rheinland.de/CoMo

Die Vorbereitungsgruppe ist offen für alle Interessierten! Schreibt uns einfach an: mailto: connecting-movements-camp@riseup.net

englishversion

1. Connecting Movements Camp 2017 in Rhineland

Between the 18th and 29th the Connecting Movements (CoMo) Camp in the Rhineland is connecting people engaged in different social movements and struggles, to develop new perspectives of an emancipatory politic. Very often we are fighting with different focuses – climate justice, freedom of movements and right to stay, (queer-)feminism or food sovereignty – in various places and there is little time left for exchange.

But the more diverse our backgrounds are, the more we can learn from each other! We want to discuss about questions, utopias and strategies of different struggles. The CoMo-Camp will open a space for networking and reflection, to empower us for collective actions and to enable a progress of social movements!

2. Open Spaces

At the CoMo-Camp we want to work especially with open space-formats to enable a non-hierarchical exchange beyond the role of experts. Topics of discussion or workshops can be proposed by everybody and conducted in self-organization. In the daily structure two open space slots are included and in open air or in workshop tents there is space for your proposals.

There is also an information tent, a tea tent, a kitchen, medical structure and places of retreat. The political must not just be seen in the form of content, theory, facts or political actions, but also takes place when we sit in cozy corners, art, theater and common care-work. Suggestions about topics and proposals – from workshop, lectures, networking to movies, concerts and theater – you are very welcome to tell us in advance: mailto:connecting-movements-camp@riseup.net

And why the whole thing?

Climate change, landgrabbing, inhuman deportation policies, sexist harassment of women* are just of few points of sad everyday lives. They are all related to certain systems of oppression and hierarchies that are intricately entwined. Climate change and its social and ecological consequences cannot be solved in a patriarchal, capitalist, racist… society that is based on exploitation, forced competition, oppression and marginalization of people.

There is a need of alternative forms of living together which is based on freedom, self-determination, food sovereignty and solidarity. The best way to develop these is together!

Also, we ourselves are not free of oppressive behaviors and ways of thinking. Capitalist values, patriarchal norms and socialized roles are partially deeply rooted – how strong are we reproducing these norms in our daily life and our political practice? After all we do not only want to talk about solidarity, but we want to try to make it practical and create a barrier-poor space together. For that we need all of us!

4. Why in the Rhineland?

The Connecting-Movements-Camp will be organized in collaboration and next to the climate camp. Thousand tons of CO 2 are emitted daily in the biggest brown coal area in Germany. Villages are devastated and the coal miners are left with an unknown future. But with the climate camp the resistance is growing since years! Social and economic questions are brought together and alternatives are opposed to the capitalist system. In 2015/16 topics around anti-racism, queerfeminism and agriculture were discussed in thematic barrios.

Here we want to tie up. We want to discuss topics around and abroad climate in the Rhineland, invite more emancipatory movements to this symbolic place and fight, live and learn in solidarity!

5: Short info

Connecting Movements Camp: 18.-29. August 2017 18. – 23. August: eduction and networking 24. – 29. August: days of action in the Rhineland

The exact place of the CoMo and the climate Camp will be announced shortly before the camp starts at the homepage

http://www.klimacamp-im-rheinland.de/CoMo

The preparation team is open for all people interested! Write us an email to: mailto:connecting-movements-camp@riseup.net

Klimacamp in Tschechien erfolgreich – aber mit hartem Polizeieinsatz

Vom 21.bis 25.6.fand in Nordböhmen in der Braunkohletagebauregion rund um die Stadt Most das erste größere Klimacamp am Rande des Dorfes Horní Jiřetín statt.

In Nordböhmen wird seit dem 15. Jahrhundert Braunkohle gefördert. Die ganze Region ist beherrscht von großen Tagebauminen, Kraftwerken mit riesigen Kühltürmen, Stromleitungen und weitverzweigten Chemiefabriken. Die Braunkohle hat aus dieser lieblichen Vulkanlandschaft im 20. Jahrhundert eine Mondlandschaft mit riesige Erdlöchern und Brachen gemacht. Das heute bei uns vergessene Waldsterben aus den 70 er Jahren auf den Kammlagen des Erzgebirges und dem massenhaften Krupphusten bei Kindern infolge der Luftverschmutzung ist hingegen in der örtlichen Bevölkerung immer noch präsent. Viele von der Abbaggerung bedrohte Dörfer wie Horni Jiřetín sind für eine baldige Beendigung der Kohleförderung. Zwar hat die tschechische Regierung vor zwei Jahren zugesichert, dass keine weiteren Dörfer abgebaggert werden, sich jedoch ein Hintertürchen offen gehalten, um den Betrieb der zahlreichen Kohlekraftwerke auch über 2022 hinaus zu sichern. Tschchien ist hochgradig von diesen Braunkohlekraftwerken abhängig. So werden z.B. nahezu zwei Drittel der tschechischen Häusern per Fernheizung durch die Abwärme der Kohlekraftwerke versorgt. Die Regierung hat aber bis heute keinen Plan, wie diese Häuser nach dem Ende des Tagebaus mit Wärme versorgt werden sollen und wo der Strom für die Industrie herkommt.

Das ist in aller Kürze die Ausgangslage für die junge Klimabewegung in Tschechien. Das Camp war hervorragend organisiert, mit einem Legalteam, guter Küche, grossem Plenumszelt etc. Der Aktionstag war der Samstag, an dem parallel in Amsterdam der Kohleimporthafen von Klima-Aktivistinnen blockiert wurde. Zunächst zogen die 300 Aktivistinnen zu einem für 2 Tage stillgelegten Tagebau an der Dorfgrenze von Horni Jiřetín. Danach gings in bereitgestellte Busse, um zu einem 20 km entfernten Tagebau bei Bilina zu fahren. Am frühen Morgen hatten schon 15 Aktivistinnen ein grosses Förderband im Tagebau stillgelegt. Der Plan war, unterwegs an einem Aussichtspunkt anzuhalten und schnell die Busse zu verlassen und in den nur 100 m entfernten Tagebau einzudringen. 120 weisse Overalls überquerten im Laufschritt die Strasse, rutschten eine Böschung runter und verschwanden in der Grube. Die uns begleitenden Bullen blieben in ihren Fahrzeugen hocken und wir konnten ungehindert den 5 km langen Marsch durch den riesigen Tagebau bis auf die unterste Sohle durchführen. Unterwegs begrüßten uns die Grubenarbeiter eher durchaus freundlich, einige reichten uns später sorgar Wasser, denn es war, je tiefer wir kamen, eine Höllenhitze in der Sonne. Am untersten Punkt an einem gerade stillgelegten Bagger kamen dann die tschechischen Robocops, teilweise schwer bewaffnet mit MP’s und alle vermummt wie bei einem Antiterroreinsatz. Wir zogen uns unter den Bagger zurück. Die Bullen griffen sofort an und zerrten die ersten mit brutaler Gewalt aus unseren Ketten heraus. Die uns begleitende Presse wurde festgenommen.

Dann änderte sich die Taktik der Polizeiarmada und wir wurden in eine Wagenburg der aufgestellten Bullenfahrzeuge geführt. Es dauert mehr als 6 Stunden bis die Uniformierten alle Personalien aufgenommen hatten. Gnädigerweise bekamen wir nach 3 Stunden mal 20 Liter Wasser von den Bullen, dazwischen hatten uns einige Grubenarbeiter mit dem kostbaren Nass versorgt. Dann kam aber erst die eigentliche Tortur. Schön der Reihe nach wurden wir in Unimogbusse gepfercht, vorher aber alle mit den Händen auf dem Rücken gefesselt. Es war schon stockduster bis wir dann die Grube verlassen hatten und in einen grossen Polizeibus versetzt wurden. Immer noch gefesselt sassen wir teilweise dort noch mal vier Stunden, denn die Bullen verteilten uns auf 4-5 verschiedene Knastzellen in den nordbömischen Städten wie Teplice, Chomutov und Usti.

Im Bus liessen die mitfahrenden Robocops ihren ganzen Sadismus raus, es herrschte strenges Redeverbot, Fragen der Gefangenen, warum diese erniedrigende Behandlung, wurden mit einem Grinsen beantwortet. Irgendwer von uns fing an das alte Partisanenlied Bella Ciao zu summen und wir alle summten kräftig mit. Die Bullen glotzen irritiert und am Ende applaudierte der Busfahrer, der offenbar nicht der Polizei angehörte. Ein kleiner Punktsieg für uns. Im Laufe der Nacht und des Sonntags wurde fast alle dann entlassen, einige, die sich nicht ausweisen wollten, wurden ED-behandelt. In Usti versammelten sich 50 Leute aus dem Camp und begrüßten mit einer Sambaband die Entlassenen. Das war eine wunderschöne kleine Soliaktion aus dem Camp heraus.

Unsere tschechischen Freundinnen war am Nachmittag trotz aller Bullenprovo mit dem Aktionstags sehr zufrieden. Zum ersten mal gelang es, wenn auch nur für kurze Zeit, einen Tagebau zu besetzen. Obwohl die Arbeit in der Grube nicht unterbrochen wurde, ist das ein Erfolg. Das tschechische Fernsehen berichtete ausführlich und die widersprüchliche Politik der Regierung in Sachen Kohleausstieg und Einhaltung des Pariser Abkommens war endlich mal wieder Tagesthema.

Climate Games – Aktionstage für ein ganz anderes Klima

… unter diesem Motto werden in Basel Climate Games organisiert.

Rund um diese Aktionstage wird in Basel ein Klimacamp statt finden, auf dem alle Menschen wilkommen sind. Save the dates!

22.09. – 03.10.2017 in Basel

22.09. – 24.09. Campaufbau
25.09. – 01.10. Campleben
29.09. – 30.09. Aktionstage
02.10. – 03.10. Campabbau

Wir wollen mit dezentralen Massenaktionen auf spielerische und unverbrauchte Art verschiedene Aspekte des globalen Wandels zusammenbringen. Von Demonstrationen über Strassentheater bis Blockaden ist unser Motto: macht Basel bunt!

Ihr könnt mitbestimmen: Climategames in Basel werden nur ein Erfolg, wenn verschiedene Gruppierungen zusammenkommen und mitgestalten. Wir organisieren in der ganzen Schweiz Informationsveranstaltungen. Ihr könnt uns kontaktieren – gerne kommen wir vorbei oder senden euch Flyer und Plakate in D, F, E. climategames@immerda.ch mailto:climategames@immerda.ch climategames.ch http://climategames.ch/

Coal and Boat – Videos, Fotos, Berichte

Am Sonntag haben wir mit der Bootsdemo Coal and Boat die für morgen geplante Abschaltung des Berliner Braunkohlekraftwerks Klingenberg gefeiert und einen schnellen Steinkohleausstieg in Berlin gefordert.

Es gibt viele tolle Fotos und inzwischen auch einen kurzen Videoclip von der Aktion:

https://youtu.be/cAUbBmsRRvY

Link zum Tweet:

https://twitter.com/Kohleausstieg_B/status/866943573580800001

Link zur FB-Seite von Kohleausstieg Berlin:

https://www.facebook.com/kohleausstiegberlin/

Eine Auswahl an Fotos von der Demo gibt es auf dem Flickr-Account von Kohleausstieg Berlin:

http://www.flickr.com/photos/kohleausstiegberlin/sets/72157681514566571

RWE wird verklagt – Verhandlung angesetzt

Pressemitteilung Germanwatch

    Klimaklage gegen RWE: Oberlandesgericht verhandelt Berufung am 13. November

    Zeitgleich zu den politischen Verhandlungen beim UN-Klimagipfel in Bonn wird es in Hamm juristisch um den Klimawandel und die Bewältigung seiner Folgen gehen. Vor dem OLG wird in der Berufung verhandelt, ob ein Energiekonzern als großer Mitverursacher des Klimawandels anteilig für den Schutz vor durch die Erderwärmung entstehende Risiken aufkommen muss. Der peruanische Bergführer und Kleinbauer Saúl Luciano Lliuya klagt dazu nun in zweiter Instanz gegen RWE.

    Bonn/Hamm (12. Mai 2017). Der 5. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm hat nun entschieden, dass die Berufung des peruanischen Bergführers und Kleinbauern Saúl Luciano Lliuya am 13. November (Montag, 12:30 Uhr) mündlich verhandelt wird. Für den öffentlichen Verhandlungstermin ist eine Dauer von rund zwei Stunden angesetzt. Der Termin fällt mitten in die zweiwöchige UN-Klimakonferenz in Bonn (6. – 17. Nov.), was dem Fall auch international noch zusätzliche Aufmerksamkeit bescheren dürfte.

    Die Rechtsanwältin des Klägers, Dr. Roda Verheyen (Hamburg), zeigt sich erfreut über die Entscheidung des OLG Hamm. "Ich bin zuversichtlich, dass der nun angesetzten ersten Verhandlung die Beweisaufnahme folgen wird – dann geht es endlich um die Beweiskette: Ist das Überflutungsrisiko eine Folge des globalen Klimawandels und damit auch eine Folge der Emissionen der Beklagten? Das werden wir belegen.“

    Saúl Luciano Lliuya ergänzt: "Ich freue mich, dass wir damit eine zweite Chance erhalten, unser Anliegen vor Gericht darzulegen. Wir wollen zeigen, warum RWE mitverantwortlich ist für die Risiken, die uns hier in Huaraz bedrohen. Wissenschaftlichen Studien zufolge wächst der See oberhalb meiner Heimatstadt wegen der beschleunigten Gletscherschmelze immer weiter an – und diejenigen, die mit ihren Emissionen zum Problem beitragen, wollen nichts mit unserer Notlage zu tun haben? Man muss kein Jurist sein um zu erkennen, dass das Unrecht ist."

    Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, ergänzt: "Das Verfahren ist ein Präzedenzfall. Saúl Luciano Lliuya möchte erreichen, dass RWE seinem Anteil an der Verursachung des Klimawandels entsprechend für Schutzmaßnahmen an einem Gletschersee oberhalb der Andenstadt Huaraz aufkommt. Dieses Verfahren hat große Bedeutung für viele weitere vom Klimawandel bedrohte Menschen weltweit." Dem Teil der Stadt, in dem Luciano Lliuya und seine Familie wohnen, droht wegen der durch den Klimawandel beschleunigten Gletscherschmelze akute Flutgefahr. Ein Abbruch des schmelzenden Gletschers über dem vollen See könnte zu einer verheerenden Flutwelle führen, von der laut Studien bis zu 50.000 Menschen direkt betroffen wären. RWE lehnt die Forderung jedoch ab.

    Germanwatch unterstützt Luciano Lliuyas Anliegen und berät ihn. Für die Anwalts- und Gerichtskosten des Klägers in diesem Musterverfahren tritt die Stiftung Zukunftsfähigkeit ein und ruft zu Spenden auf.

Berufungsprozess von Clumsy am 27.April

Am 27.April um 9Uhr wird vor dem Görlitzer Landgericht erneut gegen den Anarchisten Clumsy verhandelt. Clumsy war im Mai 2016 erst bei den Blockade Aktionen rund um Ende Gelände in der Lausitz zur Personalienfeststellung festgenommen und wenige Tage später nach der Räumung der Waldbesetzung LAUtonomia für knapp acht Wochen in Untersuchungshaft gesteckt worden. Nachdem er im Juli 2016 vor dem Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, hat die Verteidigung Berufung eingelegt.

Das Landgericht Görlitz scheint kein Interesse an der Strafverfolgung zu haben. Der zuständige Richter teilte mit:

„Es wird gemäß §257b StPO mitgeteilt, dass nach vorläufiger Würdigung der Sach- und Rechtslage das Landgericht Görlitz von folgenden Überlegungen ausgeht:

Der Angeklagte hat sich im Zeitraum vom 18.Mai 2016 bis zum 12.Juli 2016 in Untersuchungshaft befunden. Er ist in Deutschland nicht vorbestraft, in Österreich ebenfalls nicht. Der Angeklagte ist offenbar überzeugter Kohlegegner. Die ihm angelastete Tat hat einen eher geringen Unrechts- und Schuldgehalt. Die ihm im Urteil des AG Görltiz angelastete erhebliche kriminelle Energie vermag das hiesige Gericht nicht zu erkennen, denn die dortigen strafschärfend angeführten Erwägungen dürften wohl ein Verstoß gegen das gesetzliche Doppelverwertungsgebot darstellen (langes Anketten, Nichtentfernen der Anketttechnik). Selbst die klimatischen Bedingungen an dem Tag (Kälte) wurden bei dem Angeklagten strafschärfend berücksichtigt. Über die bloße Tatbegehung hinaus sind strafschärfende Umstände derzeit nicht ersichtlich. Das Landgericht regt daher an, das Verfahren gemäß §153 Abs.2 StPO einzustellen und bittet hierzu um Stellungnahme binnen 3 Wochen.“

Wenig überraschend: Die Staatsanwaltschaft ist nicht an einer Einstellung des Verfahrens interessiert. Als Grund zieht sie den „erheblichen finanziellen Schaden“ von Vattenfall an den Aktionstagen heran. Damit argumentiert sie vollständig an der Sache vorbei. Immerhin ist Clumsy in 1. Instanz wegen „Störung öffentlicher Betriebe“ und „Nötigung“ verurteilt worden. Bei beiden Straftatbeständen geht es eben nicht um die finanziellen Einbußen eines eventuell geschädigten Konzerns.