Archiv für Mai 2017

Die ZAD verteidigen – Deutschland Tour 2017

ab Dienstag startet eine kleine Deutschlandtour von Menschen, die über die ZAD (Zone à défendre) bei Notre-Dame-des-Landes (NDDL) in der Nähe von Nantes berichten.

Die ZAD ist ein utopisches Projekt gegen Umweltzerstörung und Kapitalismus. Es lohnt sich, mehr darüber zu erfahren.

Di, 30.5. 20h Köln – AZ
Mitt, 31.5 18h Hambacher Forest
Do, 1.6. 19h Berlin – Bethanien – New Yorck
Fr, 2.6. 18h30 Greifswald – Köppenhaus
So, 4.6. 14-16 Uhr Gasthof in Meuchefitz (Wendland)

Eine weitreichend freie Kommune gegen ein Flughafenprojekt und seine Welt –

Seit über 50 Jahren leisten Landwirt*innen und Anwohner*innen Widerstand gegen den Bau eines neuen Flughafens für die französische Stadt Nantes (die bereits über einen eigenen Flughafen verfügt). In jenen Feldern, Wäldern und Feuchtgebieten, die der Großkonzen Vinci zementieren will, gedeiht nun ein Experiment der Neuerfindung eines widerständigen Alltags. Politisch aktive Menschen aus aller Welt, lokale Landwirt*innen und Anwohner*innen, Bürgerinitiativen, Gewerkschaftler*innen, Umweltschützer*innen, Geflüchtete und Untergetauchte, Besetzer*innen, Umweltaktivist*innen und viele andere haben sich organisiert, um 1.600 ha Land gegen den Flughafen und seine Welt zu verteidigen. Politiker*innen nennen diesen Ort ein von der Französischen Republik verlorenes Territorium”. Jene, die sich dort niedergelassen haben, nennen es die ZAD (zone a défendre), zu verteidigende Zone. Im Herbst 2012 haben tausende Polizeibeamt*innen versucht, die Zone zu räumen. Sie wurden aber von einem entschlossenen und diversen Widerstand daran gehindert. Dieses Ereignis kulminierte in einer 40.000 Menschen starken Demonstration auf dem Gelände, die einiges, was vom französischen Staat zerstört worden war, direkt wieder aufbaute. Weniger als eine Woche später war die Polizei dazu gezwungen, ihre “Operation Cäsar” abzubrechen.

In den letzten drei Jahren war die ZAD ein außergewöhnliches Experimentierfeld für neue Lebensweisen, verwurzelt in der Zusammenarbeit zwischen all jenen, die die Diversität der Bewegung ausmachen. Trotz ihrer Vielfalt hat es die Bewegung geschafft, eine gemeinsame Linie zu erarbeiten, um Selbstverwaltung und Landwirtschaft auf dem Territorium ohne einen Flughafen radikal zu überdenken. Die ZAD basiertauf der Schaffung von Gemeinschaftsgütern, Nutzung statt Privatbesitz und der Forderung, dass jene, die für das Territorium kämpfen, auch darüber entscheiden, wie es genutzt wird.

Die Zukunft der ZAD muss immer noch erkämpft werden

Letzten Herbst sollte die gesamte Zone geräumt werden, um den absurden Flughafenbau zu beginnen. Am 8. Oktober 2016 hatten sich Zehntausende versammelt, um die Entschlossenheit der Bewegung zu demonstrieren. In Anerkennung des Kampfes der Landwirt*innen in den letzten Jahrzehnten brachten tausende Demonstrierende Holzstäbe mit, die sie in der Zone zurückließen als Zeichen eines kollektiven Versprechens. Sie werden zurückkommen und sie aus dem Boden ziehen, um die ZAD zu verteidigen, sobald dies nötig sein wird. Nach einigen spannungsreichen Monaten gab die Regierung den Räumungsplan für diese Saison auf. Die neugewählte Regierung könnte die Zone jedoch in den kommenden Monaten wieder in Räumungsgefahr versetzen.

Let’s share

Wir sind zwei Bewohner der ZAD, die für einige Infoveranstaltungen vom 29. Mai bis zum 5. Juni durch deutschland reisen werden. Auf unserer Reise wollen wir uns mit Menschen und Netzwerken austauschen und über Möglichkeiten sprechen, kapitalistische Projekte zu vereiteln und permanente autonome Zonen aufzubauen. Wir wollen mit euch Erfahrungen teilen und euch Informationen geben, wie ihr mit der ZAD solidarisch sein könnt, falls eine neue Attacke bevorsteht.

Coal and Boat – Videos, Fotos, Berichte

Am Sonntag haben wir mit der Bootsdemo Coal and Boat die für morgen geplante Abschaltung des Berliner Braunkohlekraftwerks Klingenberg gefeiert und einen schnellen Steinkohleausstieg in Berlin gefordert.

Es gibt viele tolle Fotos und inzwischen auch einen kurzen Videoclip von der Aktion:

https://youtu.be/cAUbBmsRRvY

Link zum Tweet:

https://twitter.com/Kohleausstieg_B/status/866943573580800001

Link zur FB-Seite von Kohleausstieg Berlin:

https://www.facebook.com/kohleausstiegberlin/

Eine Auswahl an Fotos von der Demo gibt es auf dem Flickr-Account von Kohleausstieg Berlin:

http://www.flickr.com/photos/kohleausstiegberlin/sets/72157681514566571

Tagung „Rohstoffe und Energie in Südafrika“ am 09. und 10. Juni in Bonn!

Wir laden euch ein zur Tagung „Rohstoffe und Energie in Südafrika“ am 09. und 10. Juni in Bonn!

Es geht um Kohle und Platinabbau sowie Kohlekraftwerke in Südafrika. Auch die menschenrechtliche und ökologische Verantwortung deutscher Politik und Unternehmen durch ihre Lieferketten soll diskutiert werden. Alternative Ansätze in der Energieversorgung und im Extraktivismus nehmen wir am zweiten Tag ins Auge.

Die Tagung soll eine Möglichkeit sein, gemeinsame Themen zu diskutieren und von und miteinander zu lernen. Bitte meldet euch bis zum 31.05.2017 an!

Mehr Informationen zum Programm usw. gibt es hier:

http://www.kosa.org/fileadmin/user_upload/Tagung_Energie_Rohstoffe_Suedafrika_2.pdf

Wir freuen uns über eure Teilnahme und bitten euch auch, die Einladung weiterzuleiten bzw. auf facebook zu teilnen!

(Es gibt eine Teilnahmegebühr. Allerdings soll keine_r aus finanziellen Gründen nicht kommen können! Meldet euch einfach bei den Organisator*innen)

Koordination Südliches Afrika KOSA e.V.
August-Bebel-Str. 62
D-33602 Bielefeld

RED LINES FOR CLIMATE JUSTICE

Internationale Aktivist*innen zu Gast in Köln

Überall auf der Welt wurden Konzernen und Regierungen in den letzten Jahren durch vielfältige Aktionen rote Linien aufgezeigt. Bis hierher und nicht weiter. Rote Linien gegen den Raubbau an Natur, gegen die Zerstörung von Lebensgrundlagen und für globale (Klima-)Gerechtigkeit. In Köln sind diesen Sommer internationale Aktivist*innen zu Besuch, die ihre Geschichten teilen, ihren Widerstand vernetzen und über gemeinsame Strategien diskutieren möchten. Im August heißt es dann im Rheinland wieder: Ende Gelände!

DIE ZAD VERTEIDIGEN – KEIN FLUGHAFENBAU!
Wann: Dienstag 30.05.2017, 20:00
Wo:
Autonomes zentrum, Luxemburger Str. 93, 50939 Köln

Die ZAD (Zone a defendre – zu verteidigendes Gebiet) ist ein 1.600ha großes Gebiet, das einem zweiten Flughafen für die Stadt Nantes, Frankreich weichen soll. Statt dem Megaprojekt ist auf dem besetzten Gebiet ein außergewöhnliches Experimentierfeld für neue Lebensweisen entstanden, das immer wieder gegen Räumungsversuche verteidigt werden konnte. Wir diskutieren mit zwei Aktivistinnen der ZAD.

STANDING WITH STANDING ROCK – WIDERSTAND GEGEN PIPELINEBAU
Wann:
Samstag 03.06.2017, 18:00
Wo:
Alte Feuerwache, Melchiorstraße 3, 50670 Köln

Die Dakota Access Pipeline soll über 11.000 Meilen Öl von North Dakota nach Illinois (USA) leiten. Unter anderem auch durch das Standing Rock Indian Reservat, wo sich starker Widerstand entwickelte, der vor allem von Indigenen getragen wird. Trotz weltweiter Solidarität wurde das Protestcamp nach monate-langen Auseinandersetzungen im Februar geräumt. Doch der Widerstand geht weiter. Es berichten Lakota-Aktivist*innen aus Standing Rock und Sprecher*innen von weiteren indigenen Organisationen. Mehr infos: http://www.ausgeco2hlt.de/2017/05/10/stand-up-with- standing-rock-tour-vom-3-5-juni-im-rheinland/

PAREMOS LA MINA! – BESSER LEBEN OHNE KOHLE
Wann: Montag 03.07.2017, 20:00
Wo:
Naturfreundehaus Köln Kalk, Kapellenstraße 9A, 51103 Köln

Die auf der Halbinsel La Guajira im Nordosten Kolumbiens gelegene Mine El Cerrejón ist der größte Stein-kohletagebau der Welt (69.000ha). Die Folgen für die Bewohner*innen der Region und die Umwelt sind verheerend. Die lokalen Gemeinschaften (v.a. indigene & Afrokolumbianer*innen) kämpfen seit Jahren gegen Vertreibung und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage. Der Staat antwortet meist mit dem Militär. Zu Gast sind Aktivist*innen aus La Guajira und von der Umweltorganisation „Censat Agua Vive“ aus Bogota.

BEYOND THE RED LINES – FILVORFÜHRUNG
Wann: Mittwoch 12.07.2017, 20:30
Wo:
Filmpalette, Lübecker Str. 15, 50668 Köln

Beyond the Red Lines (Jenseits der roten Linien) ist die Geschichte einer wachsenden Bewegung, die „Es reicht!“ sagt, und die Transformation hin zu einer (klima)gerechten Gesellschaft selbst in die Hand nimmt.

AUF GEHT‘S, AB GEHT‘S, ENDE GELÄNDE 2017! -INFOVORTRÄGE I. Do. 20.07. 19:30; HS XVIII, Uni Köln, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln II. Mi. 02.08. 19:00; Allerweltshaus, Körnerstr. 77, 50823 Köln

2015 waren wir 1500 Menschen, 2016 4000 und es werden mehr. Ende Gelände ist ein Bündnis verschie-dener Gruppen, das sich damit beschäftigt ein Klima der Gerechtigkeit zu schaffen und dafür Kohle-infrastruktur lahmlegt. Hier erfahrt ihr was alles für die Aktionstage (24.-29.08.) im Rheinland geplant ist.

Mehr Infos: www.ausgeco2hlt.de

RWE wird verklagt – Verhandlung angesetzt

Pressemitteilung Germanwatch

    Klimaklage gegen RWE: Oberlandesgericht verhandelt Berufung am 13. November

    Zeitgleich zu den politischen Verhandlungen beim UN-Klimagipfel in Bonn wird es in Hamm juristisch um den Klimawandel und die Bewältigung seiner Folgen gehen. Vor dem OLG wird in der Berufung verhandelt, ob ein Energiekonzern als großer Mitverursacher des Klimawandels anteilig für den Schutz vor durch die Erderwärmung entstehende Risiken aufkommen muss. Der peruanische Bergführer und Kleinbauer Saúl Luciano Lliuya klagt dazu nun in zweiter Instanz gegen RWE.

    Bonn/Hamm (12. Mai 2017). Der 5. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm hat nun entschieden, dass die Berufung des peruanischen Bergführers und Kleinbauern Saúl Luciano Lliuya am 13. November (Montag, 12:30 Uhr) mündlich verhandelt wird. Für den öffentlichen Verhandlungstermin ist eine Dauer von rund zwei Stunden angesetzt. Der Termin fällt mitten in die zweiwöchige UN-Klimakonferenz in Bonn (6. – 17. Nov.), was dem Fall auch international noch zusätzliche Aufmerksamkeit bescheren dürfte.

    Die Rechtsanwältin des Klägers, Dr. Roda Verheyen (Hamburg), zeigt sich erfreut über die Entscheidung des OLG Hamm. "Ich bin zuversichtlich, dass der nun angesetzten ersten Verhandlung die Beweisaufnahme folgen wird – dann geht es endlich um die Beweiskette: Ist das Überflutungsrisiko eine Folge des globalen Klimawandels und damit auch eine Folge der Emissionen der Beklagten? Das werden wir belegen.“

    Saúl Luciano Lliuya ergänzt: "Ich freue mich, dass wir damit eine zweite Chance erhalten, unser Anliegen vor Gericht darzulegen. Wir wollen zeigen, warum RWE mitverantwortlich ist für die Risiken, die uns hier in Huaraz bedrohen. Wissenschaftlichen Studien zufolge wächst der See oberhalb meiner Heimatstadt wegen der beschleunigten Gletscherschmelze immer weiter an – und diejenigen, die mit ihren Emissionen zum Problem beitragen, wollen nichts mit unserer Notlage zu tun haben? Man muss kein Jurist sein um zu erkennen, dass das Unrecht ist."

    Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, ergänzt: "Das Verfahren ist ein Präzedenzfall. Saúl Luciano Lliuya möchte erreichen, dass RWE seinem Anteil an der Verursachung des Klimawandels entsprechend für Schutzmaßnahmen an einem Gletschersee oberhalb der Andenstadt Huaraz aufkommt. Dieses Verfahren hat große Bedeutung für viele weitere vom Klimawandel bedrohte Menschen weltweit." Dem Teil der Stadt, in dem Luciano Lliuya und seine Familie wohnen, droht wegen der durch den Klimawandel beschleunigten Gletscherschmelze akute Flutgefahr. Ein Abbruch des schmelzenden Gletschers über dem vollen See könnte zu einer verheerenden Flutwelle führen, von der laut Studien bis zu 50.000 Menschen direkt betroffen wären. RWE lehnt die Forderung jedoch ab.

    Germanwatch unterstützt Luciano Lliuyas Anliegen und berät ihn. Für die Anwalts- und Gerichtskosten des Klägers in diesem Musterverfahren tritt die Stiftung Zukunftsfähigkeit ein und ruft zu Spenden auf.